Freitag, 22. Juli 2016

Ein Tag im Dezember



Erinnerungen einer deutschen FSJ-lerin an eine besondere Weihnachtsfeier in Namibia
Autorin: Ruth Rainer, Geschenke der Hoffnung


„Die Familien lebten in Blechhütten.“, erinnert sich Nantje Havemann. „Viele von ihnen waren so arm, dass sie sich nur selten eine richtige Mahlzeit leisten konnten. Nur wenige der Kinder besuchten eine Schule. Dafür reichte das Geld einfach nicht.“


Windhoek ist die Hauptstadt des südafrikanischen Namibia. In der ehemaligen deutschen Kolonie lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Katutura ist der wohl ärmste Ort des Landes – ein Township am Rande der Hauptstadt. Nantje, die dort 2013 ein einjähriges Freiwilliges Soziales Jahr in einer evangelisch-methodistischen Kirche absolvierte, erinnert sich noch gut an einen ganz besonderen Tag im Dezember.

Ein ziemlich cooler Weihnachtsmann
An diesem Tag fand eine Schuhkartonverteilung anlässlich des abgeschlossenen Vorschuljahres statt. Um die 25 Kinder saßen auf den Kirchenbänken und lauschten gespannt der Weihnachtsgeschichte. Zur Überraschung kam kurz darauf der Pastor herein – verkleidet als Weihnachtsmann! 

Selbstverständlich hatte der auch Geschenke dabei: Nacheinander wurden die Kinder mit Namen aufgerufen und bekamen jedes ein Päckchen von „Weihnachten im Schuhkarton“ überreicht. „Die Kinder waren total überrascht und glücklich!“, berichtete Nantje uns. 
An einen Moment erinnert sie sich noch besonders gut: „Unvergesslich war der Augenblick, als ein kleiner schüchterner Junge aufgerufen wurde, um seinen Schuhkarton entgegen zu nehmen. Er reagierte nicht, da er einfach nicht glauben konnte, dass jemand ihm etwas schenken würde. Erst beim vierten Aufruf ging er ganz vorsichtig nach vorne und holte sich sein Geschenk ab. Danach war die Freude umso größer."

Zum ersten Mal in seinem Leben bekommt der Kleine ein Geschenk
Die Reaktion dieses Jungen verdeutlicht: Was für uns selbstverständlich ist, ist für manche Kinder ein vorher nie dagewesener Moment der Freude. Doch ein Schuhkarton ist mehr als nur ein Glücksmoment. Das weiß Päckchenpackerin Nantje seitdem ganz genau: 

„Für uns ist es nur ein kleines Paket, für die Kinder bedeutet es so viel mehr: Mehr Lebensmut, mehr Freude am Alltag und neue Möglichkeiten.“ 

 

 

 


Hinweis: Seit im Jahr 2000 zum ersten Mal Schuhkartons in Namibia verteilt wurden, konnten dort bis heute bereits fast 400.000 Kinder beschenkt werden. 79.551 Päckchen wurden allein im letzten Jahr verteilt. Die Schuhkartons kamen nicht aus dem deutschsprachigen Raum, sondern aus den USA.


Interesse an einem FSJ? Hier geht´s zu unserer aktuellen Stellenausschreibung:  https://www.geschenke-der-hoffnung.org/ueber-uns/jobs/fsjpraktika/ 







Eine Tombola zum Brücken bauen



Autorin: Ruth Rainer, Geschenke der Hoffnung

Seit zehn Jahren ist Jeannette ehrenamtlich bei „Weihnachten im Schuhkarton“ aktiv. Jahr für Jahr mobilisiert sie Menschen zum Mitmachen. Einmal hatte sie sich dafür zu ihrem Geburtstag etwas Besonderes überlegt: Sie wünschte sich von all ihren Freunden befüllte Schuhkartons! Die Idee ging auf und mit ihren Geburtstagsgeschenken konnten letztendlich Kinder in Osteuropa beschenkt werden. Immer mit neuen kreativen Ideen, hat sie sich auch dieses Jahr etwas Spannendes ausgedacht: Anlässlich der Einschulung ihres jüngsten Sohnes Phil organisiert sie eine Tombola. Dabei soll nicht nur der Gewinn an „Weihnachten im Schuhkarton“ gehen, sondern auch fleißig motiviert werden, dieses Jahr selbst mitzumachen. 

„Ich möchte Brücken bauen!“ erklärt Jeannette begeistert. „Bei Einschulungsfeiern in Deutschland herrscht so ein Geschenkeüberfluss. Wie viel schöner ist es dann, wenn man auch noch andere Kinderaugen zum Strahlen bringen kann.“ 

Dank der Spenden gibt es bei der Tombola viele tolle Preise zu gewinnen

Doch ohne viel Arbeit und Engagement ist solch ein Projekt nicht machbar. Seit dem Herbst sammelt Jeannette bereits Preise für die Tombola. Dafür geht sie von Geschäft zu Geschäft, erzählt von ihrer Idee, und fragt nach Dingen, die als Gewinne verwendet werden können. Dabei kam bereits allerhand zusammen: Mützen, Schlüsselanhänger, Taschenrechner, Portmonees, Taschenlampen, und und und. Da das ganze Fest unter dem Motto „Feuerwehr“ steht – Phil liebt Feuerwehren - ist der Hauptgewinn ein Feuerlöscher.

Sogar ein Plakat hat Jeanette für die Tombola vorbereitet
Wenn Anfang August dann die Einschulungsparty stattfindet, zu der 45 Gäste eingeladen sind, ist nach dem Kaffeetrinken eine Stunde eingeplant, in der die insgesamt 150 Lose für je 50 Cent angeboten werden sollen. Im Hintergrund wird die „Weihnachten im Schuhkarton“- CD „Lieder ausdem Schuhkarton“ laufen, die Spendenbox bereitstehen und die Flyer mitnahmebereit sein. Doch das ist der hochmotivierten Jeannette noch nicht genug: „Ich möchte unseren Gästen auch erklären, was „Weihnachten im Schuhkarton“ eigentlich ist und bewirkt. Dann möchte ich einen Schuhkarton befüllen, um zu zeigen, was man alles einpacken kann und letztendlich auch den 8-Euro-Geldanteil pro Schuhkarton erklären. „Es ist doch wichtig, dass die Menschen verstehen, was für einen langen Weg der Schuhkarton vor sich hat und das auch nicht so ganz billig ist."

Das Ziel: Geschenke und Hoffnung für Kinder in Not
Das Tüpfelchen auf dem i wäre für Jeannette, wenn ihr Sohn den Feuerlöscher gewinnt. Ansonsten ist die Feier für sie dann ein voller Erfolg, wenn die Gäste für die Aktion begeistert werden. Wir drücken Jeannette ganz fest die Daumen dafür und freuen uns schon zu hören, wie die Idee bei ihren Gästen angekommen ist. Bei so viel Engagement kann ja aber eigentlich gar nichts mehr schiefgehen!

Ohne Ehrenamtliche wie Jeannette wäre die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ nicht machbar. Hast du auch kreative Ideen, wie man andere dazu motivieren kann, ebenfalls Päckchen zu packen? Wir freuen uns deine Geschichten zu hören! Schreib uns eine E-Mail an: redaktion@geschenke-der-hoffnung.org

Hinweis: Tombolas, Basare und andere Verkaufsaktionen erfolgen stets in eigener Verantwortung und nicht auf Rechnung von Geschenke der Hoffnung. Wenn du Fragen dazu hast, wendet dich gerne an unser Team unter 030-76 883 883.

Dienstag, 12. Juli 2016

Das perfekte Geschenk


Eine Päckchenpackerin berichtet von einer Geschenkübergabe mit Gänsehaut in der Slowakei
Autorin: Ruth Rainer 

Seit 15 Jahren leitet Anke Eberling aus Eppingen, westlich von Heilbronn, eine Sammelstelle für „Weihnachten im Schuhkarton“. Ihr 14-jähriger Sohn Florian wuchs quasi zwischen den Kartons auf. Für ihn war das Weihnachtsfest jedes Jahr fest mit der Aktion verbunden.
Als Anke im letzten Jahr die Möglichkeit hatte, mit auf eine „Weihnachten im Schuhkarton“-Reise in die Slowakei zu fahren, hatte Florian die Idee, einen Schuhkarton zu packen, den seine Mutter dann persönlich an ein Kind überreichen sollte.

Hinein kamen Dinge, die seine Persönlichkeit wiederspiegelten. Als Matheliebhaber wollte er einen Solartaschenrechner und einen Zirkel verschenken. Auch die Tischtennisschläger durften nicht fehlen.
Unterwegs in der Slowakei fuhr Anke dann von Verteilung zu Verteilung und war überwältigt von der Freude der Kinder an den Schuhkartons – wobei sie immer auf der Suche nach einem 10- bis 14-jährigen Jungen für Florians Geschenk war. Als sie in die im Nordwesten des Landes gelegene Stadt Holíč kamen und dort ein Frauenhaus besuchten, fiel ihr der 10-jährige Daniel auf. Sie schloss ihn auf der Stelle ins Herz, als sie merkte, wie ruhig und schüchtern er war. Doch genau bei dieser Verteilung hatte sie das Geschenk ihres Sohnes im Auto vergessen. „Ich hatte mir sofort gedacht, dass der Junge genau der Richtige für Florians Schuhkartons ist. Aber leider hatte ich ihn ja nicht dabei und versuchte daher, diesen Gedanken zu verdrängen. Es waren schließlich genug Päckchen für alle Kinder da.“ Doch ausgerechnet Daniel bekam einen „falschen“ Schuhkarton. Außen war zwar das korrekte Alter angekreuzt, aber der Inhalt war für ein 2- bis 4-jähriges Kind. Spontan entschied sich Anke, schnell zum weit entfernten Auto zu laufen, um besagten Karton zu holen.

Was sie dann erlebte, bestätigte, dass es den Weg wert war. Als Daniel das Paket öffnete, schien es, als wären die Geschenke extra für ihn ausgesucht worden. Den Zirkel packte er mit einem strahlenden Lächeln aus und wiederholte immer wieder, wie gut er diesen doch für die Schule gebrauchen konnte. Seine Mutter, die danebenstand, erzählte Anke, dass Daniels Lieblingsfach in der Schule Mathematik ist – genau wie Florians. Auch über die Tischtennisschläger freute sich der Junge sehr. Doch als er den Solartaschenrechner im Karton entdeckte, war Daniel vor Begeisterung nicht mehr zu bremsen. Diese Freude teilte er mit allen seinen Freunden, indem seinen neuen Rechner begeistert herumzeigte.
Nach dieser Verteilung war Anke tief berührt. „Ich hatte echt Gänsehaut. Das war eine Gebetserhörung! Der Karton hat hundertprozentig gepasst.“ Einen Tipp, den Anke allen Schuhkarton-Packern mit auf den Weg geben möchte, ist:

„Betet doch auch für euren Schuhkarton und für das Kind, das ihn erhält. Gottes Wege sind wirklich großartig.“