Donnerstag, 14. April 2016

„Es ist besser zu geben, als zu empfangen“

Autorin: Ruth Rainer






Als Kind empfing sie selbst einen Schuhkarton und jetzt hilft sie dabei, diese an andere zu verteilen: Daniela Dinu ist 21 Jahre alt und kommt aus Rumänien.  Die junge Frau weiß genau, wie es ist, in Armut zu leben.
Daniela bei einer Schuhkartonverteilung (Foto: David Vogt)



Das erste Geschenk ihres Lebens



Daniela wuchs mit ihrem älteren Bruder in Tulca an der Donau auf, einer Stadt im Südosten Rumäniens. Ihre Familie hatte gerade genug zu leben, aber zu wenig für irgendwelchen Luxus. Dazu zählten auch Geschenke. „Als Kinder bekamen wir nur das, was wir brauchten, aber nicht, was wir wollten. Auch nicht zum Geburtstag oder zu Weihnachten.“ 

Dementsprechend besonders war es, als sie im Alter von etwa sieben Jahren bei einer Verteilung von „Weihnachten im Schuhkarton“ dabei war, und zum ersten Mal in ihrem Leben ein Geschenk in der Hand hielt. Anschließend packte sie alles wieder in den Karton und stellte ihn Zuhause unter den Weihnachtsbaum.


Gott hat einen Plan


Daniela besuchte weiterhin die Gemeinde, in der sie den Schuhkarton erhalten hatte und lernte Gott immer besser kennen. Was ihr der Glaube bedeutet? „Er ist lebenswichtig. Ich wurde christlich erzogen und Gott ist die wichtigste Person in meinem Leben. Ich versuche, ihn bei allen wichtigen Entscheidungen mit einzubeziehen. Ich weiß, dass er einen Plan für mein Leben hat.“

Wie dieser Plan genau aussieht, weiß sie noch nicht. Aber auch bei der Frage der Berufswahl bezieht sie Gott mit ein. Zur Zeit studiert Daniela Wirtschaft und Fremdsprachen in Bukarest und macht bald ihren Bachelor. Am liebsten möchte sie jedoch im sozialen Bereich Fuß fassen und anderen helfen.


Vom Empfänger zum Geber

Was Daniela außerdem auszeichnet, ist ihr Engagement bei „Weihnachten im Schuhkarton“. Das, was sie erfahren hat, möchte sie jetzt an andere weitergeben. „In der Bibel steht, dass es besser ist zu geben als zu empfangen. Ich weiß durch dieses Projekt, was das heißt.“ Zusammen mit ihrem Onkel, der die Verteilungen der Schuhkartons in Tulca und Umgebung koordiniert, ist sie ehrenamtlich tätig. Das Beste für sie ist der Moment, wenn die Kinder die Geschenke öffnen und sich die Freude in ihren Augen widerspiegelt. Für viele ist es das erste und manchmal auch einzige Geschenk in ihrem Leben. Und was das heißt, weiß Daniela nur zu gut. „Es bedeutet mir viel, mit ‚Weihnachten im Schuhkarton‘ die gute Nachricht zu Kindern in Rumänien zu bringen“, sagt sie. Die gute Nachricht, dass Gott sie bedingungslos liebt und einen Plan für ihr Leben hat.


Daniela kennenlernen

Bei dem nächsten Connect-Treffen in Hamburg am 30. April wird Daniela auch mit dabei sein. Welche Träume sie noch hat und was sie bewegt, könnt ihr dort selbst herausfinden. Soviel wird schon einmal verraten: Afrika steht mit auf ihrer Wunschliste für die Zukunft. Aber fragt sie am besten selbst.
Daniela ist übrigens auch in unserem neuen Video „VomEmpfängerkind zur Hoffnungsbotin“ zu sehen.

Freitag, 1. April 2016

Nicols größter Wunsch


Die kleine Nicol aus Ecuador umgab eine Wolke von Traurigkeit. Die Neunjährige war der Einladung ihrer Freundin Anita gefolgt und nahm am Kurs „Die größte Reise“ teil. Bei den Verteilungen von „Weihnachten im Schuhkarton“ werden die Kinder auch zu diesen regelmäßigen Treffen eingeladen. Hier beschäftigen sie sich mit zentralen Aspekten des christlichen Glaubens, können Fragen stellen und sich austauschen.  Im Mittelpunkt steht stets Gottes Liebe. Obwohl Nicol immer aktiv dabei war und mit Interesse den Lektionen zuhörte, spürte ihre Lehrerin Joyce Yagual Panchana von der La Santidad de Dios-Kirche, dass etwas das Mädchen sehr betrübte. Doch Nicol sprach nie über das, was ihr so auf der Seele lag.

Als der Kurs voranschritt, öffnete Nicol ihr Herz und entschied sich mit großer Freude für ein Leben mit Gott. Nun konnte sie auch endlich erzählen, was sie so traurig gemacht hatte: Ihr Vater hatte die Familie verlassen. Als das ältere von zwei Kindern hing Nicol sehr an ihm und litt unter seiner Abwesenheit. Doch in diesem Moment sei sie sich sicher gewesen, dass Gott ihr helfen würde, denn sie war nun seine Tochter. Joyce und Nicol beschlossen, gemeinsam für ihren Vater zu beten und Gott zu bitten, dass der Wunsch in ihm entstehen würde, zurück nach Hause zu kommen.

Schließlich beteten alle Kinder des Kurses für die Familie. Jedes Kind hatte seine eigenen Sorgen, aber sie alle baten Gott inständig, dass Mr. Carlos, Nicols Vater, zurückkehren würde. Nicol betete, dass sich die Hoffnung ihrer Familie erfüllen und sie durch die Rückkehr des Vaters wieder komplett sein würde. Sie war Gott sehr dankbar, als ihr Vater sie kurz darauf plötzlich besuchte. Sie lud ihn zur Abschlussfeier des Kurses ein. Er versprach zu kommen.

Tatsächlich hielt er sein Versprechen. Er war tief berührt von Gott, als er sah, wie seine Tochter zusammen mit anderen die auswendig gelernten Bibelverse aufsagte. Schließlich geschah das Wunder: Er kehrte nach Hause zurück. Unter Tränen bat er seine Frau und Kinder, ihm zu vergeben, dass er sie verletzt und verlassen hatte und das der Grund dafür war, dass die Familie so eine schwierige Zeit durchmachen musste.

Nicol durfte Gottes große Liebe erfahren und erleben, dass es nichts gibt, das für Gott unmöglich ist. Sie stand für ihre Familie im Gebet ein und sah das Ergebnis. Das ist eine Erfahrung, die nun tief in ihrem Herzen verankert ist – dank des Kurses „Die größte Reise“. Angefangen hatte alles mit einem Schuhkarton und mit der Einladung einer Freundin.
Nicol mit ihrer wiedervereinigten Familie.