Freitag, 9. Oktober 2015

„Wir können nicht die Welt retten, aber wir können diesen einen Moment schaffen“

Autorin: Jenifer Girke

Wie passt Magersucht und „Weihnachten im Schuhkarton“ zusammen? Eigentlich gar nicht. Bis gestern, denn da fand unsere Pressekonferenz zur Kampagne „Promis packen Päckchen“ statt, und zwar mit der erfolgreichen Sängerin Déborah Rosenkranz.


Die Lebensfreude ist Déborah Rosenkranz ins Gesicht geschrieben. Doch das war nicht immer so.

Eine ganz normale Pressekonferenz?

Zuerst schien es eine ganz normale Pressekonferenz zu werden: Ein paar Journalisten waren anwesend und saßen auf der einen Seite, zwei Vertreter von „Weihnachten im Schuhkarton“ waren anwesend und saßen auf der anderen Seite, die Deutsche Presse-Agentur (dpa) knipste fleißig und die Moderatorin der Berliner Pressekonferenz Heide Kurth ergriff das Wort zur Begrüßung.

Zunächst gab es eine kleine Einführung von Projektleiterin Diana Molnár in den Ablauf der Verteilungen in den Empfängerländern, wobei sie betonte, dass es bei „Weihnachten im Schuhkarton“ besonders um die Beziehungen geht, die diese Päckchen ermöglichen. Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Tobias-Benjamin Ottmar, stellte die Promi-Kampagne vor und verriet schon im Vorfeld einige der prominenten Teilnehmer, z.B. die ehemalige Miss Germany und TV-Moderatorin Katrin Wrobel, der erfolgreiche Violinist André Rieu, der deutsche Schauspieler Joseph Hannesschläger oder auch der österreichische Außenminister Sebastian Kurz. Außerdem wurde eine Videobotschaft von Schauspieler Samuel Koch gezeigt, der seit seinem Unfall bei „Wetten, dass…“ im Dezember 2010 querschnittsgelähmt ist und ebenfalls bei „Weihnachten im Schuhkarton“ mitpackt: „Weihnachten ist mit dem Osterfest das Zentrum meines Glaubens. Nach dem Unfall, den ich hatte und der mir diesen Rollstuhl eingebrockt hat, weiß ich nicht, ob ich das sonst geschafft hätte.“ 

Déborah Rosenkranz singt auf den ganz großen Bühnen - mit Glauben, Liebe und sprühender Lebensfreude.


Hungertod statt Lebensfreude

Doch das war nur der Anfang rührender Lebensgeschichten. Ein Star der Kampagne war auf der Pressekonferenz auch persönlich vertreten: die christliche Musikerin Déborah Rosenkranz. Ihre spontane, lebensfrohe Art steckte selbst müde Fotografen an und wirkt wie ein freudestrahlender Lobpreis über das Leben. Über ihr Leben. Ein Leben, das sie fast verloren hätte. Sehr eindrücklich schilderte Deborah, wie sie mit 16 Jahren der Magersucht verfiel, als ihr damaliger Schwarm nach dem Sporttraining zu ihr sagte: „Ich weiß ja gar nicht, wie du mit so viel Fett so schnell rennen kannst.“  Dieser eine Satz hat gereicht. Déborah nahm rasant 30 Kilogramm ab – sie hungerte für mehr Anerkennung, für mehr Liebe und um einem aufgezwungenen Schönheitsideal zu entsprechen. Je weniger sie wog, desto weniger war sie das fröhliche Mädchen von damals, desto weniger Energie hatte sie für das Leben, desto weniger Freude hatte sie am Leben, bis dieses Leben fast ganz weggehungert war: „Ich hörte, wie mein Arzt zu meiner Mutter sagte: „Aus medizinischer Sicht können wir nichts mehr für Ihre Tochter tun. Sie wird bald sterben.“ In letzter Sekunde entschied sich die Kämpferin dazu umzukehren: Sie gab die Selbstzerstörung auf, ließ den Spiegel als Folterinstrument los und befreite sich von Kalorienangaben. Es begann ein mühseliger Weg, auf dem Déborah ihren Körper Schritt für Schritt wieder in Richtung Gesundheit brachte. Sie brauchte keine fünf Lagen Pullover mehr, um ihren knochigen Körper vor Erfrierungen zu schützen und auch ihre Haare wuchsen wieder nach, die sie durch die Unterernährung verloren hatte. Doch da gab es noch etwas, was stetig in ihr wuchs: ihr Glaube zu Gott. Ohne diesen Glauben und ohne den Beistand ihrer Familie hätte sie den Kampf zurück ins Leben nicht geschafft. Umso wichtiger ist ihr dieser Grundpfeiler auch heute: „Für mich ist Glaube das Wertvollste, was ich habe.“

Live-Performance auf der Pressekonferenz: Déborah singt von ganzem Herzen und mit vollem Glauben

Schulhefte zum Reinkritzeln

Heute ist Déborah eine attraktive Frau und eine leidenschaftliche Sängerin; alles, was sie singt, meint sie auch so. Mit ihrem Song „Beautiful, Wonderful, Powerful“, den sie live auf der Pressekonferenz aufführte, triumphiert sie über die Kostbarkeit des Lebens, über die Bedeutung, sich selbst zu lieben und die eigene Schönheit von innen und außen zu spüren. Ihre neu gewonnene Kraft setzt Déborah am liebsten für andere Menschen ein und engagiert sich in zahlreichen sozialen Projekten. Als Mitinitiatorin und Botschafterin hat sie das Projekt „Power2Be“ ermöglicht, eine therapeutische Wohngruppe in der Schweiz für junge Frauen, die an Essstörungen leiden. Sie hat zu vielen der Frauen einen engen Kontakt und nennt sie liebevoll ihre „Schwestern“. Jetzt ist Déborah auch bei „Weihnachten im Schuhkarton“ dabei. Beim Promi-Päckchen geben 20 Prominente jeweils einen Gegenstand in den Schuhkarton. Die Musikerin hat sich aber nicht für ein Mini-Instrument entschieden, sondern für Schulhefte und das mit einem ganz bestimmten Hintergedanken: „Ich habe in meine Schulhefte immer Gedichte und Geschichten gekritzelt, die später auch zu Songs wurden. Und ich dachte mir, wenn das Kind in der Schule nicht aufpassen sollte, aber dafür etwas reinkritzelt, was doch wichtig für seine Zukunft ist, dann hat es gleich einen doppelten Nutzen.“


Déborah Rosenkranz wird das Promi-Päckchen stellvertretend
für 20 Prominente im Dezember in Rumänien an ein notleidendes Kind übergeben.
Die Lebenskünstlerin war selbst schon oft in Osteuropa für soziale Zwecke unterwegs, dennoch ist es eine Ehre für sie, dass sie als Stellvertretende der Kampagne das Päckchen im Dezember an einen Jungen in Rumänien überreichen darf: „Ich weiß echt nicht, wer aufgeregter sein wird, ich oder das Kind.“ Selbst wenn eine Verbindung zwischen ihrer Geschichte und den Schicksalen in unseren Empfängerländern nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, sieht Déborah eine ganz entscheidende Gemeinsamkeit: „Ich habe das Gefühl gehabt, ich werde nicht gesehen und nicht geliebt. Auch diese Kinder werden zu oft nicht gesehen und erleben keine Liebe. Deswegen möchte ich meine Stimme denen geben, die selbst keine haben. Durch „Weihnachten im Schuhkarton“ können wir zeigen, dass sie doch gesehen werden.“

Jedes Wort, das Déborah singt, meint sie auch so. Das hört man, das fühlt man - Gänsehaut garantiert.


Es geht um den einen Moment

Die Schuhkartons sind mehr als ein Päckchen mit Weihnachtsgeschenken, denn in dem Moment, in dem das Kind seinen Schuhkarton erhält, erfährt es: „Ich bin nicht alleine. Ich bin geliebt.“ Und Deborah weiß, wie viel Kraft nur ein einziger Moment haben kann: „Es war ein Moment, ein Satz, der mein Leben zerstört hat, der mich in die Magersucht geführt hat. Ich glaube, dass wir Momente oft unterschätzen. Für uns ist das eine Kleinigkeit, so ein Geschenk zu verschenken, sogar so ein Geschenk zu erhalten, das vergessen wir ratzfatz. Aber ich glaube, Kinder, die das gar nicht gewohnt sind, schätzen das viel länger und sie wissen: Oh, da war jemand, der hat an mich gedacht, der ist für mich da.“ Genau wie Déborah die Liebe zu sich selbst und den Wert des eigenen Lebens neu begreifen musste, brauchen auch die Kinder bei „Weihnachten im Schuhkarton“ eine neue Perspektive für ihre Zukunft. Ein Zugang zu Nächstenliebe und Hoffnung sieht Déborah im christlichen Glauben: „Viele der Schuhkartons werden in Kirchengemeinden verteilt und das finde ich richtig toll! Ich wünsche mir für die Kinder, dass sie sich, wenn es ihnen schlecht geht, an diesen Ort erinnern und wissen, dass sie jederzeit dorthin gehen können.“



Vor wenigen Tagen hat die 20. Saison von „Weihnachten im Schuhkarton“ begonnen und es hätte kaum eine bedeutsamere Auftakt-Veranstaltung geben können als eine Pressekonferenz, auf der eine junge, mutige Frau ihre Lebensgeschichte dafür einsetzt, Kindern in Not mit Mitgefühl und Hingabe zu begegnen. „Wir können nicht die Welt retten, aber wir können diesen einen Moment schaffen und hoffen, dass viel mehr daraus entsteht.“


Lassen auch Sie einen Moment entstehen, der mehr verändern kann, als wir es zu hoffen wagen und packen Sie mit! 


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