Mittwoch, 12. August 2015

Jeder Karton braucht einen Deckel

Autorin: Jenifer Girke




Stell dir mal vor, du machst dir monatelang Gedanken darüber, was sich dein bester Freund zu Weihnachten wünscht. Du schlenderst durch verschiedene Geschäfte, schaust dir all die schönen Sachen in den Regalen an, sammelst liebevoll einige Kleinigkeiten zusammen und kaufst sogar die Lieblingsschokolade deines Freundes ein. Zu Hause angekommen packst du alles in einen Karton, schmückst ihn mit schönem Geschenkpapier und legst eine persönliche Karte dazu, auf der du mit goldener Schrift deinem Freund ein fröhliches Weihnachtsfest wünschst. Als endlich alles fertig gepackt ist, gehst du zur Post und freust dich schon auf den Moment, wenn das Paket endlich auf die Reise zu deinem Freund geht. Doch auf der Post fällt dir auf, dass du ja auch noch eine Briefmarke brauchst, damit das Geschenk überhaupt verschickt wird, schließlich muss es eine weite Reise antreten, die viel Geld kostet. Wenn du also nicht diese Briefmarke kaufst, kann das Geschenk auch nicht bei deinem Freund ankommen. Die "Päckchenmarke" ist sozusagen der Deckel deines Kartons, denn erst damit ist dein Geschenk komplett und kann verschickt werden.


Jeder Karton ist ein persönliches „Schön, dass du da bist.“ ©David Vogt

Wir bei „Weihnachten im Schuhkarton“ verschicken jedes Jahr viele tausende Kartons. Jeder davon hat einen langen Weg vor sich: Im Jahr 2014 wurden insgesamt 512.209 Schuhkartons in 56 LKWs und 17 Containern transportiert. Doch damit wir auch so viele Kartons erhalten, müssen die Menschen erst einmal erfahren, dass es „Weihnachten im Schuhkarton“ überhaupt gibt: Letztes Jahr wurden dafür über 2.000.000 Flyer bestellt. Wenn wir alle Schuhkartons erhalten haben, sind über 11.000 Ehrenamtliche damit beschäftigt, die Inhalte der Kartons zu überprüfen – das dauert über 40.000 Stunden! Weil die hunderttausend Päckchenpacker immer mal wieder Fragen haben, sind wir sehr darum bemüht, zeitnah all diese Fragen zu beantworten. Dafür kann man uns jederzeit kontaktieren; allein im November 2014 haben wir über 3.000 Anrufer mit Fragen zu „Weihnachten im Schuhkarton“ betreut.

2014 wurden 56 LKWs randvoll mit Schuhkartons bepackt.
Insgesamt passen ca 7.000 (!) Schuhkartons in einen LKW.

All das kostet Geld, ist aber notwendig, damit jeder Karton auch sein Ziel erreicht. Deswegen ist pro Schuhkarton eine Spende von derzeit 6 Euro angedacht. 2016 werden wir die Höhe der Spende etwas nach oben "korrigieren" müssen, um gestiegene Kosten zu decken und die Aktion weiter voranzubringen. Unsere langjährige Erfahrung hilft uns dabei, die Kosten einschätzen zu können: Schließlich gibt es die Geschenkaktion schon seit 1993 und seit 1996 in Deutschland. Das sind insgesamt nicht nur 124.000.000 Schuhkartons, die bereits verteilt wurden, sondern damit auch 124.000.000 Kinderherzen, die sich über ein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk freuen durften. Unsere Päckchenpacker geben sich sehr viel Mühe beim Packen, aber viele vergessen, dass das Packen nur einer von vielen Schritten ist, bis der Karton endlich von strahlenden Kinderaugen gesichtet wird. Die 6 Euro sind also wie der Deckel auf dem Karton, genau wie die "Päckchenmarke" bei dem Weihnachtsgeschenk für den besten Freund. Damit weiterhin so viele Kinder beschenkt werden können, haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, wie unsere Päckchenpacker nicht nur den Karton befüllen, sondern auch die notwendigen 6 Euro aufbringen können.

Eine Idee ist ganz einfach: Überlegt euch im Vorfeld, wie viel Geld ihr für das Kind, das ihr beschenken werdet, investieren wollt. Legt vor dem Einkaufen die 6 Euro pro Päckchen zurück und nutzt den Rest, um Spielzeug, ein Kuscheltier, Hygieneartikel, Schulmaterial, Kleidung und Süßigkeiten zu kaufen. Nutzt doch unsere schlaue Liste, um euch einen Einkaufszettel zu schreiben. Die andere Variante: Ihr bezahlt die 6 Euro nicht, sondern werdet kreativ und lasst andere das tun! Täglich erreichen uns spannende Ideen von fleißigen Päckchenpacker und Unterstützer, die mit kreativen Einfällen wertvolle Spenden für die Aktion sammeln.

Kinder beschenken Kinder – Nächstenliebe fängt schon bei den ganz Kleinen an,
wie hier in der Grundschule Netphen, von der zahlreiche Schüler 2014 fleißig mitgepackt haben.

Hier ein kleiner Vorgeschmack: Barbara Küper wohnt genau auf dem Jakobsweg in Wuppertal Beyenburg, wo der westfälische Pilgerweg auf den rheinischen trifft. Viele Pilger sind über Köln, Aachen, Belgien und weiter durch Frankreich bis ins spanische Santiago de Campostela unterwegs. Barbara Küper ist den Jakobsweg zwar noch nicht gepilgert, doch dafür bietet sie eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit  für vorbeikommende Pilger an. Viele der Gäste möchten ihre Wertschätzung dennoch mit ein bisschen Geld zum Ausdruck bringen. Anstatt die freiwilligen Abgaben in die eigene Tasche zu stecken und auf ein neues Paar Wanderschuhe zu sparen, hat sich Barbara Küper dazu entschieden, die Einnahmen an „Weihnachten im Schuhkarton“ zu spenden: „Ich habe im Übernachtungszimmer einige Flyer von „Weihnachten im Schuhkarton“ ausgelegt. Dadurch komme ich mit den Pilgern ins Gespräch. Manche Pilger kennen die Geschenkaktion und vielleicht ist die Aktion auf dem weiteren Weg der Pilger auch ein Gedankenbegleiter.“

Das ist nur eine von vielen Ideen, von denen wir euch weitere hier auf unserem Blog erzählen werden. „Weihnachten im Schuhkarton“ bedeutet, einem bedürftigen, armen, oft traurigen und verzweifelten Kind ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, einen Freudenschrei zu entlocken, ihm einen Lichtblick in seiner miserablen Lage zu schenken. Jeder Karton ist ein greifbarer Beweis dafür, dass jedes Kind wertvoll ist, dass jemand an dieses Kind gedacht hat und sich freut, dass es da ist. Mit einem Schuhkarton lädt man sein Empfängerkind ein, gemeinsam Weihnachten zu feiern, das Fest der Liebe. Deswegen ist es so wichtig, dass jedes Päckchen mit Liebe und Sorgfalt gepackt wird und sich zusammen mit der 6-Euro-Spende auf die Reise machen kann. Genauso, als wenn ihr euren besten Freund mit einem Paket überraschen wollt.