Dienstag, 7. April 2015

Knete für Dawid

Bericht von Dagmar Tröster, Sammelstellenleiterin in Lichtenau und Gebietskoordinatorin für Paderborn

Im Dezember 2014 hatten wir das Vorrecht nach Polen zu einer Verteilerreise zu fahren. Am zweiten Tag unserer Reise war es geplant einige Familien zu Hause zu besuchen, um Kinder mit Schuhkartons zu beschenken. Wir (Mitarbeiter von Geschenke der Hoffnung und Sammelstellenleiter) wurden begleitetet vom Regionalleiter für Balkan/Baltikum/Mitteleuropa und Dolmetscher Aleksander, dem Koordinator der Sozialen Dienste Andrzej und Eva, einer weiteren Dolmetscherin. Gemeinsam fuhren wir über die Dörfer nach Szalowa, einer kleinen Stadt im Süden Polens mit nicht mal 2.500 Einwohnern. 


Von der ersten Familie wurden wir bereits erwartet. Der Junge – Dawid – war drei Jahre alt und sah uns schelmisch entgegen. Seine zweijährige Schwester Asia mit ihren roten Wangen saß im Wohnzimmer und blickte erwartungsvoll auf die Menschen, die zu Besuch gekommen waren. Die Mutter und die Großmutter, die ebenfalls zum Haushalt gehörte, waren mindestens genauso gespannt wie die Kinder. Die Situation der Familie ist nicht einfach – die Mutter hatte aufgrund einer Krankheit ihren Job als Briefträgerin verloren und der Vater versuchte sich mit saisonaler Arbeit über Wasser zu halten. Umso dankbarer waren sie für den Besuch, den wir in den kargen Zimmern der Familie abstatteten.


Nachdem wir uns vorgestellt hatten, drängelte Dawid mit altersgerechter Ungeduld: „Dawaj, dawaj!“ (Gib, gib!). Er ahnte schon, dass die bunten Kartons, die wir mitgebracht hatten, Schatzkisten sind. Und tatsächlich: In seinem Schuhkarton fand er einen Schatz – bunte Knete! Seitdem der Dreijährige einmal Knete gesehen hatte, war es sein größter Traum selbst welche zu besitzen. So sehr seine Eltern ihm diesen Wunsch erfüllen wollten – die finanziellen Mittel reichten nicht aus. Und nun fand er genau das in seinem Schuhkarton! Schnell probierte er noch die Zuckerstangen und dann verschwand er auch schon in die Küche und war für die nächste Zeit mit seinem neuen Geschenk beschäftigt.


Asia war mindestens genauso glücklich über den Haarschmuck, den sie in ihrer „Schatzkiste“ fand. Und als Heike Friedmann ihr einen handgestrickten Pullover überreichte, den ihr Strickkreis extra für ein Kind gefertigt hatte, strahlten Asia, ihre Mutter und Großmutter um die Wette. Besonders begeistert war die Mutter auch über den Waschlappen und das Handtuch, die sie in den Schuhkarton ihrer Kinder fand. Für solche „Luxusartikel“ reichte das Haushaltsgeld schon seit einiger Zeit nicht mehr aus.


Mich hat dieser Besuch sehr beeindruckt, weil er wieder mal gezeigt hat, dass auch heute noch kleine Wunder wahr werden können, dass ein einfacher Schuhkarton manchmal genau das beinhaltet, was ein Kind sich von Herzen wünscht und dass man mit wenigem so viel Freude bringen kann.


Dawid bekommt von Regionalleiter Stefan Schmid seinen Schuhkarton überreicht.
Gemeinsam macht das Entdecken und Auspacken viel mehr Spaß.
Und dann gibt es kein Halten mehr: Auf dem Küchentisch entstehen wunderbare bunte Gebilde.
Asia hat viel Spaß mit ihrem neuen Haarschmuck.

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