Montag, 2. Februar 2015

Und Sara lacht ...

Bericht von Sonja Fröhlich, Sammelstellenleiterin in Sankt Augustin

Ich möchte euch heute von der kleinen Sara erzählen. Sara ist sechs Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter Julia (25 Jahre) und drei Geschwistern, Sazuka, Phillip und Baby Vanessa, in Rozložná. Rozložná ist ein kleines, sehr armes Dorf im Osten der Slowakei. Bei einer Haus-zu-Haus-Verteilung der Schuhkartons lernte ich Sara und ihre Familie kennen. Als wir (
zwei Mitreisende, die Dolmetscherin Adriana, die Bürgermeisterin Atka und ich) die kleine Wohnung der Familie betreten, triefen unsere Schuhe und Stiefel vor Matsch, da die Straßen in Rozložná nicht gepflastert sind und es die Tage zuvor geregnet hatte. Trotzdem sollen wir eintreten und beschmutzen dadurch den frischgeputzten weißen Fußboden im Eingangsbereich der kleinen Wohnung.

Julia, die Mutter, steht hinter einem kleinen Tisch mitten im Raum, der neben einer Matratze, ein paar kleinen Schränken und dem Holzofen das einzige Möbelstück in dem kleinen Raum ist. Mehr Räume gibt es in der Wohnung nicht. Sara, ihre Geschwister und Julia teilen sich ein Bett. Saras Vater ist seit vier Monaten in Untersuchungshaft, da er sich mit anderen Dorfbewohnern geprügelt hat. Ihn und fünf weitere Männer erwartet eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren. Ihre Familien stecken nun in noch größerer Not, da das geringe Einkommen der Männer wegfällt. Vor allem Lebensmittel kann die Familie sich kaum noch leisten und ihre Not ist sehr groß.  


Umso schöner ist es zu sehen, wie gespannt Sara und ihre Geschwister Sazuka und Phillip mit großen Augen vor dem Tisch auf ihre Schuhkartons warten. Ich überreiche Sara ihren Karton und helfe ihr diesen zu öffnen. Ein kleiner Kuschelbär schaut Sara vertraut aus dem Karton an; ein pinkes Langarmshirt lässt sie strahlen. Die Kinder, die zuerst sehr zurückhaltend wirken, tauen langsam auf und irgendwann bricht das Eis. Wir haben sehr viel Spaß mit den Dreien. Sie freuen sich auch sehr über die Zahnbürsten in ihrem Karton, obwohl die Zähne der kleinen Kinder schon jetzt sehr schlecht sind. Auch für Baby Vanessa haben wir noch Anziehsachen dabei. Eine kleine Hose und eine Daunenjacke. Julia weiß nicht, was sie sagen soll, sie ist sehr still und zurückhaltend, aber man sieht die Freude in ihren Augen.


Als wir die Wohnung verlassen haben, hören wir die Kinder laut lachen und in diesem Moment weiß ich, wie wichtig und wunderschön es ist, die Schuhkartons zu packen und zu verteilen.


Später treffen wir Julia und ihre Kinder erneut in der Gemeinde. Andrej Vasko, der Pastor, spielt Gitarre und singt; Sara ist ganz begeistert, dass sie endlich tanzen kann. Den Hüftschwung beherrscht sie schon jetzt perfekt. Als die Kinder mit Luftballons spielten und Andrea, Sammelstellenleiterin aus Nordstemmen, Julia in das Spiel mit einbindet, taut auch sie endlich auf und lacht und spielt mit ihren Kindern.


Für mich war es ein wunderschönes und zugleich tieftrauriges Erlebnis Julia und ihrer Familie zu begegnen. Trotz der Armut und der großen Not der die Familie, konnten die Kinder ihr Leid für einige Zeit durch ihren Schuhkarton vergessen und für einen Nachmittag lachen und spielen wie alle anderen Kinder auch. Die Warmherzigkeit und Dankbarkeit der Familie und auch aller anderer Familien in Rozložná hat mich zutiefst berührt. 



Sara und ihr Bruder Phillip entdecken ihre neuen Geschenke aus den Schuhkartons.
Das pinke Langarmshirt zieht Sara sofort an und trägt es abends, als sie die Kirche besuchen.
Die Handpuppen-Eule ist ebenfalls ein Geschenk für das Mädchen mit dem frechen Kurzhaarschnitt.
Sara ist voller Eifer dabei und singt und tanzt, dass es eine Freude ist.

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