Donnerstag, 12. Februar 2015

Und plötzlich war da ein Dankeschön …

Es war am 27. Dezember 2014. Stefanie Rückner öffnet ihr Mailpostfach und findet eine Nachricht. Die kyrillischen Buchstaben und die weißrussische Mailadresse verraten ihr schnell – diese Mail beinhaltet eine wichtige Nachricht. Und tatsächlich – es ist ein Dankeschön. Das Dankeschön einer Mutter, deren Tochter mit Stefanies Schuhkarton beschenkt wurde.

Als Stefanie die Nachricht liest, breitet sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Die Schreiberin bedankt sich herzlich für den Schuhkarton, den ihre Tochter Darya einen Tag zuvor erhalten hatte. Das Mädchen hatte sich unglaublich gefreut und diese Freude wollte die Mutter unbedingt der Packetpackerin mitteilen. Auch den genauen Ort, an dem das Päckchen gelandet ist, gibt die Mutter an – Grodno, eine Stadt in Weißrussland, nahe dem Dreiländereck mit Polen und Litauen.

Als Stefanie die Nachricht gelesen hat, kann sie es kaum glauben. Dass sie wirklich eine Rückmeldung erhalten hatte und nun auch einen Namen zu dem Kind wusste, welches ihren liebevoll gepackten Schuhkarton bekommen hat, macht sie unglaublich glücklich.

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Stefanie eine Nachricht dieser Art erhält. Schon im vergangenen Jahr hatte sie ein Dankesschreiben aus Minsk erhalten. Umso wertvoller war es dann für sie, als sie im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Arbeit, die sich für Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus in und bei Minsk einsetzt, in die Hauptstadt Weißrusslands reisen durfte. Diese Reise machte einen besonderen Eindruck auf die Hamburgerin – sie bekam einen Einblick in die Lebensweise der Menschen, die dort lebten. Und natürlich auch ihr Schuhkarton-Empfänger-Kind.

Und nun hatte sie wieder eine Nachricht aus Weißrussland erhalten. Stefanie hatte persönliche Grüße in die von ihr gepackten Schuhkartons getan. Und einer dieser Schuhkartons ging an die dreijährige Darya. Zusammen mit ihrem Vater war sie bei der Schuhkartonverteilung gewesen. Die Freude über den Schuhkarton hatte die ganze Familie berührt. Dafür allein hat es sich gelohnt. Inzwischen ist Stefanie auch mit der Nachrichtenschreiberin, über Facebook befreundet. Dieser Austausch und die Gespräche sind für beide Frauen sehr wertvoll und helfen, die andere Kultur kennenzulernen.



Dieser liebevoll gepackte Schuhkarton hat ca. 1111 Kilometer hinter sich gebracht
und dazu geführt, dass nun zwei Frauen im Kontakt stehen.
Ein Ganz-Jahres-Projekt
Stefanie Rückner ist schon seit fünf oder sechs Jahren ganz begeistert für die Geschenkaktion dabei. „So genau weiß ich das nicht mehr. Man fängt einmal an und dann kommt man davon nie wieder los“, beschreibt sie, was viele Schuhkartonpacker und ehrenamtliche Helfer erleben.

Für sie ist „Weihnachten im Schuhkarton“ eine Ganz-Jahres-Aktion. Erst im Oktober mit dem Packen beginnen? Das kommt ihr nicht in die Tüte. „Wenn man das ganze Jahr über immer wieder nach Angeboten und Schnäppchen Ausschau hält, dann wird es am Ende des Jahres nicht mehr so teuer.“ Dadurch hat sie immer genügend Zupackmaterial, wenn sie in der Sammelstelle beim Packen und Kontrollieren der Schuhkartons mithilft. Das gleiche Prinzip wendet sie auch bei der empfohlenen Spende von 6 Euro an. „Ich leg immer mal wieder 0,50 Euro zurück. Das fällt dann gar nicht so ins Gewicht.“

Apropos Tüte – was sie eigentlich in fast keinem Schuhkarton vergisst, ist ein Stoffbeutel. „Unsere Schuhkartons sind manchmal echt zum Bersten gefüllt mit Geschenken – das würde das Kind ja niemals wieder in den Karton bekommen.“ Und dafür gibt es den Beutel. Diese hat sie wiederum von Messen oder anderen Veranstaltungen mitgenommen. „Tja, dann nimmt man mal zehn Beutel mit“, sagt die pfiffige Hamburgerin. „Dort werden einem solche Give-aways ja quasi hinterhergeworfen.“



Stefanie im Schuhkartonfieber in der Sammelstelle.


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