Freitag, 20. Februar 2015

Damit nächstes Jahr noch mehr Kinder beschenkt werden können

Spendet für "Weihnachten im Schuhkarton", damit Mädchen und Jungen ein Weihnachtsfest erleben können, das sie nie in ihrem Leben vergessen werden.

Einfach hier spenden: Spendenformular


Donnerstag, 12. Februar 2015

Und plötzlich war da ein Dankeschön …

Es war am 27. Dezember 2014. Stefanie Rückner öffnet ihr Mailpostfach und findet eine Nachricht. Die kyrillischen Buchstaben und die weißrussische Mailadresse verraten ihr schnell – diese Mail beinhaltet eine wichtige Nachricht. Und tatsächlich – es ist ein Dankeschön. Das Dankeschön einer Mutter, deren Tochter mit Stefanies Schuhkarton beschenkt wurde.

Als Stefanie die Nachricht liest, breitet sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Die Schreiberin bedankt sich herzlich für den Schuhkarton, den ihre Tochter Darya einen Tag zuvor erhalten hatte. Das Mädchen hatte sich unglaublich gefreut und diese Freude wollte die Mutter unbedingt der Packetpackerin mitteilen. Auch den genauen Ort, an dem das Päckchen gelandet ist, gibt die Mutter an – Grodno, eine Stadt in Weißrussland, nahe dem Dreiländereck mit Polen und Litauen.

Als Stefanie die Nachricht gelesen hat, kann sie es kaum glauben. Dass sie wirklich eine Rückmeldung erhalten hatte und nun auch einen Namen zu dem Kind wusste, welches ihren liebevoll gepackten Schuhkarton bekommen hat, macht sie unglaublich glücklich.

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Stefanie eine Nachricht dieser Art erhält. Schon im vergangenen Jahr hatte sie ein Dankesschreiben aus Minsk erhalten. Umso wertvoller war es dann für sie, als sie im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Arbeit, die sich für Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus in und bei Minsk einsetzt, in die Hauptstadt Weißrusslands reisen durfte. Diese Reise machte einen besonderen Eindruck auf die Hamburgerin – sie bekam einen Einblick in die Lebensweise der Menschen, die dort lebten. Und natürlich auch ihr Schuhkarton-Empfänger-Kind.

Und nun hatte sie wieder eine Nachricht aus Weißrussland erhalten. Stefanie hatte persönliche Grüße in die von ihr gepackten Schuhkartons getan. Und einer dieser Schuhkartons ging an die dreijährige Darya. Zusammen mit ihrem Vater war sie bei der Schuhkartonverteilung gewesen. Die Freude über den Schuhkarton hatte die ganze Familie berührt. Dafür allein hat es sich gelohnt. Inzwischen ist Stefanie auch mit der Nachrichtenschreiberin, über Facebook befreundet. Dieser Austausch und die Gespräche sind für beide Frauen sehr wertvoll und helfen, die andere Kultur kennenzulernen.



Dieser liebevoll gepackte Schuhkarton hat ca. 1111 Kilometer hinter sich gebracht
und dazu geführt, dass nun zwei Frauen im Kontakt stehen.
Ein Ganz-Jahres-Projekt
Stefanie Rückner ist schon seit fünf oder sechs Jahren ganz begeistert für die Geschenkaktion dabei. „So genau weiß ich das nicht mehr. Man fängt einmal an und dann kommt man davon nie wieder los“, beschreibt sie, was viele Schuhkartonpacker und ehrenamtliche Helfer erleben.

Für sie ist „Weihnachten im Schuhkarton“ eine Ganz-Jahres-Aktion. Erst im Oktober mit dem Packen beginnen? Das kommt ihr nicht in die Tüte. „Wenn man das ganze Jahr über immer wieder nach Angeboten und Schnäppchen Ausschau hält, dann wird es am Ende des Jahres nicht mehr so teuer.“ Dadurch hat sie immer genügend Zupackmaterial, wenn sie in der Sammelstelle beim Packen und Kontrollieren der Schuhkartons mithilft. Das gleiche Prinzip wendet sie auch bei der empfohlenen Spende von 6 Euro an. „Ich leg immer mal wieder 0,50 Euro zurück. Das fällt dann gar nicht so ins Gewicht.“

Apropos Tüte – was sie eigentlich in fast keinem Schuhkarton vergisst, ist ein Stoffbeutel. „Unsere Schuhkartons sind manchmal echt zum Bersten gefüllt mit Geschenken – das würde das Kind ja niemals wieder in den Karton bekommen.“ Und dafür gibt es den Beutel. Diese hat sie wiederum von Messen oder anderen Veranstaltungen mitgenommen. „Tja, dann nimmt man mal zehn Beutel mit“, sagt die pfiffige Hamburgerin. „Dort werden einem solche Give-aways ja quasi hinterhergeworfen.“



Stefanie im Schuhkartonfieber in der Sammelstelle.


Montag, 9. Februar 2015

Ein Geschenk für Milan

Bericht von Andrea Held, Sammelstellenleiterin in Nordstemmen

Als meine Söhne (11, 14, 15 Jahre alt) erfuhren, dass ich auf die Verteilerreise in die Slowakei fahren durfte, planten sie, mir einen von ihnen allein gepackten Schuhkarton mitzugeben. Diesen sollte ich dann vor Ort einem Jungen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren geben.


Am 16.12.2014 fuhren wir in Kežmarok zu einem Kinderheim/Krisenzentrum. Hier leben ca. zehn Kinder und Jugendliche im Alter von  2–15 Jahren. Sie wurden per Gerichtsbeschluss aus den unterschiedlichsten Gründen aus ihren Familien genommen. Das Krisenzentrum ist ein Wohnhaus mitten im Zentrum von Kežmarok, es ist renoviert, von außen frisch gestrichen und macht einen guten Eindruck. In einem größeren, hellen Raum, dem Wohnzimmer, erwarten uns schon die Kinder und Erzieher. Die Mitte des Raumes ist freigeräumt, Stühle und Sofas stehen an der Wand, in einer Ecke steht ein geschmückter Weihnachtsbaum. Die Kinder sitzen bereits und schauen erwartungsvoll umher, sie begrüßen uns freundlich. Mit einem Jungen im gelben Pullover habe ich beim Betreten des Raumes Blickkontakt, er lächelt mich an und bietet mir mit Gesten seinen Sitzplatz, einen Schreibtischstuhl, an. Ich setze mich und frage ihn nach seinem Namen und Alter. Er wirkt aufgeschlossen. Mithilfe der Dolmetscherin erzählt er mir, warum er im Heim lebt. Milan ist 13 Jahre alt und wohnt seit vier Monaten dort, weil er nicht mehr in die Schule ging. Seine Eltern und fünf jüngeren Geschwister leben in einem 35 Kilometer entfernten Ort.

Plötzlich bin ich mir ganz sicher – Milan soll den Karton meiner Söhne bekommen!


Als die Zeit der Verteilung gekommen ist, überreiche ich ihm den Karton. Er bedankt sich und lächelt, ist aber viel verhaltener als zuvor. Er setzt sich, hält den Schuhkarton auf seinen Knien und macht keine Anstalten, ihn aufzumachen – er wirkt verunsichert. Ich hocke mich vor ihn und öffne den Karton – um uns herum herrscht viel Trubel und lebhafte Freude. Die anderen Kinder bestaunen ihre Geschenke, plappern und naschen die Süßigkeiten. Milan sitzt einfach nur da und hält den mittlerweile geöffneten Karton. `Freut er sich denn gar nicht?`, denke ich. Ich packe einige Dinge aus und zeige sie ihm, er lächelt scheu. Schnell sind die Geschenke wieder im Schuhkarton verstaut. An der Unterseite des Deckels klebt ein Foto meiner Söhne – ich stelle sie Milan noch vor und erzähle, dass sie zur Schule gehen, und zwar auch nicht immer gerne und dass mein ältester Sohn Astrophysiker werden möchte. „Milan, was möchtest du einmal werden, welchen Traum hast du?“, frage ich ihn. „Ich will Pilot werden!“, antwortet er prompt.


Als wir uns einige Zeit später von allen Kindern verabschieden, gehe ich noch einmal zu ihm. „Ich bete für dich. Und ich hoffe und wünsche dir, dass dein Traum sich erfüllt!“ „Ich werde wieder in die Schule gehen“, erwidert er mit fester Stimme, schaut mir in die Augen und bekräftigt es mit einem Handschlag.


Als ich aus dem Haus trete, muss ich lächeln. Im Schuhkarton wird Milan später, wenn er den Karton noch einmal genauer anschaut, ein LEGO-Flugzeug und eine Federmappe finden. Genau das Richtige für einen Jungen, der sich vorgenommen hat, wieder zur Schule zu gehen und der später mal Pilot werden will.

Der Junge mit dem strahlenden Gesicht traut sich erst nicht, seinen Schuhkarton zu öffnen.

Montag, 2. Februar 2015

Und Sara lacht ...

Bericht von Sonja Fröhlich, Sammelstellenleiterin in Sankt Augustin

Ich möchte euch heute von der kleinen Sara erzählen. Sara ist sechs Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter Julia (25 Jahre) und drei Geschwistern, Sazuka, Phillip und Baby Vanessa, in Rozložná. Rozložná ist ein kleines, sehr armes Dorf im Osten der Slowakei. Bei einer Haus-zu-Haus-Verteilung der Schuhkartons lernte ich Sara und ihre Familie kennen. Als wir (
zwei Mitreisende, die Dolmetscherin Adriana, die Bürgermeisterin Atka und ich) die kleine Wohnung der Familie betreten, triefen unsere Schuhe und Stiefel vor Matsch, da die Straßen in Rozložná nicht gepflastert sind und es die Tage zuvor geregnet hatte. Trotzdem sollen wir eintreten und beschmutzen dadurch den frischgeputzten weißen Fußboden im Eingangsbereich der kleinen Wohnung.

Julia, die Mutter, steht hinter einem kleinen Tisch mitten im Raum, der neben einer Matratze, ein paar kleinen Schränken und dem Holzofen das einzige Möbelstück in dem kleinen Raum ist. Mehr Räume gibt es in der Wohnung nicht. Sara, ihre Geschwister und Julia teilen sich ein Bett. Saras Vater ist seit vier Monaten in Untersuchungshaft, da er sich mit anderen Dorfbewohnern geprügelt hat. Ihn und fünf weitere Männer erwartet eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren. Ihre Familien stecken nun in noch größerer Not, da das geringe Einkommen der Männer wegfällt. Vor allem Lebensmittel kann die Familie sich kaum noch leisten und ihre Not ist sehr groß.  


Umso schöner ist es zu sehen, wie gespannt Sara und ihre Geschwister Sazuka und Phillip mit großen Augen vor dem Tisch auf ihre Schuhkartons warten. Ich überreiche Sara ihren Karton und helfe ihr diesen zu öffnen. Ein kleiner Kuschelbär schaut Sara vertraut aus dem Karton an; ein pinkes Langarmshirt lässt sie strahlen. Die Kinder, die zuerst sehr zurückhaltend wirken, tauen langsam auf und irgendwann bricht das Eis. Wir haben sehr viel Spaß mit den Dreien. Sie freuen sich auch sehr über die Zahnbürsten in ihrem Karton, obwohl die Zähne der kleinen Kinder schon jetzt sehr schlecht sind. Auch für Baby Vanessa haben wir noch Anziehsachen dabei. Eine kleine Hose und eine Daunenjacke. Julia weiß nicht, was sie sagen soll, sie ist sehr still und zurückhaltend, aber man sieht die Freude in ihren Augen.


Als wir die Wohnung verlassen haben, hören wir die Kinder laut lachen und in diesem Moment weiß ich, wie wichtig und wunderschön es ist, die Schuhkartons zu packen und zu verteilen.


Später treffen wir Julia und ihre Kinder erneut in der Gemeinde. Andrej Vasko, der Pastor, spielt Gitarre und singt; Sara ist ganz begeistert, dass sie endlich tanzen kann. Den Hüftschwung beherrscht sie schon jetzt perfekt. Als die Kinder mit Luftballons spielten und Andrea, Sammelstellenleiterin aus Nordstemmen, Julia in das Spiel mit einbindet, taut auch sie endlich auf und lacht und spielt mit ihren Kindern.


Für mich war es ein wunderschönes und zugleich tieftrauriges Erlebnis Julia und ihrer Familie zu begegnen. Trotz der Armut und der großen Not der die Familie, konnten die Kinder ihr Leid für einige Zeit durch ihren Schuhkarton vergessen und für einen Nachmittag lachen und spielen wie alle anderen Kinder auch. Die Warmherzigkeit und Dankbarkeit der Familie und auch aller anderer Familien in Rozložná hat mich zutiefst berührt. 



Sara und ihr Bruder Phillip entdecken ihre neuen Geschenke aus den Schuhkartons.
Das pinke Langarmshirt zieht Sara sofort an und trägt es abends, als sie die Kirche besuchen.
Die Handpuppen-Eule ist ebenfalls ein Geschenk für das Mädchen mit dem frechen Kurzhaarschnitt.
Sara ist voller Eifer dabei und singt und tanzt, dass es eine Freude ist.