Mittwoch, 21. Januar 2015

Ein Haus voller Freude

Bericht von Karsten Kranz, Leiter Verwaltung und Produktion bei Geschenke der Hoffnung
 

Es ist schon dunkel, als uns Andrzej Zieliński, der polnische Koordinator der Sozialen Dienste, der die Schuhkartonverteilungen durchführt, durch unwegsames Gelände zu einer Familie führt, die er schon seit einiger Zeit kennt und begleitet. Eine Mutter mit ihren drei Kindern wohnt in einem alten Haus, das nur zu Fuß zu erreichen ist.
 

Die Kälte von Kellerräumen umfängt uns, als wir durch einen Nebeneingang zu dieser Familie gelangen. Die vier warten auf uns in einem mit alten, spärlichen Möbeln eingerichteten Raum, der sowohl als Wohn- als auch als Schlafzimmer genutzt wird. Hier nun geben die beiden Sammelstellenleiterinnen Petra und Gudrun ihre vorbereiteten Päckchen ab, welche bei den Kindern Sylwia und Patryk große Begeisterung auslösen. Überhaupt scheint die Familie fröhlich und ausgelassen und trotz aller Entbehrungen sprühen die Kinder vor Redeeifer.
 

Viktor, der ca. 13-jährige Sohn, ist geistig etwas beeinträchtigt und dennoch nimmt er an allem rege Anteil. Und auch als er seinen Schuhkarton bekommt, ist seine Freude riesengroß. Nachdem er die meisten Geschenke inspiziert hat, greift er nach Pulli und Jacke, die sich ebenfalls in seinem Schuhkarton befinden. Als er merkt, dass diese etwas zu klein für ihn sind, reicht er sie ohne zu zögern an seiner Schwester weiter. Es ist bemerkenswert, wie sich dieser Junge, statt zu jammern oder neidisch zu sein, für seine Schwester mitfreut.
Alle Anwesenden sind berührt von dieser Begebenheit. Und plötzlich fangen die Kinder auch noch an, die Süßigkeiten aus ihren Kartons an uns zu verteilen. Wir nehmen sie erst dankbar an, lassen sie aber beim Verlassen des Raumes doch wieder „heimlich“ in den Kartons verschwinden. Da haben sie selber schon so gut wie nichts, und dennoch wollen die Kinder das wenige, was sie haben, mit uns teilen. Wie eindrücklich diese Begebenheit doch ist!
 

Stefan, der Regionalleiter Süd für "Weihnachten im Schuhkarton", macht Viktor noch eine ganz besondere Freude, indem er ihm sein original Schweizer Taschenmesser überlässt. Voller Stolz klickt Viktor das Messer sofort an einen Karabinerhaken eines Schlüsselbändchens, das er im Schuhkarton gefunden hatte und hängt es sich um. Dieser fröhliche und dankbare Blick des Jungen ist beeindruckend und wird uns noch lange nachgehen.
 

Aleksander Blazowski, einer der Verteilpartner und Regionalleiter von „Weihnachten im Schuhkarton“ für Balkan/Baltikum/Mitteleuropa, spricht noch einige Worte mit der Mutter. Sie schildert ihm, wie wenig tatsächlich zum Leben übrig bleibt. Allein das Kindergeld würde komplett für Miete und Strom verbraucht werde. Bevor wir diese wunderbare Familie verlassen müssen beten wir für die Mutter und ihre drei Kinder. Dieses Erleben bestärkt uns darin, dass unsere Geschenke hier an die richtige Adresse gekommen sind.

Sammelstellenleiterin Gudrun übergibt Patryk ihr persönliches Päckchen.
So warm eingepackt wird Patryk den Winter gut überstehen.
Sylwia hat viel Spaß, als sie den Schuhkarton von Sammelstellenleiterin Petra auspackt.
 
Viktor findet einen Pullover in seinem Schuhkarton, der ihm ein wenig zu klein ist.
Ohne zu zögern, schenkt er ihn seiner Schwester.

Dieser Pullover scheint Viktor nicht nur zu passen, sondern offensichtlich auch zu gefallen.
Patryk fängt an die Personen zu zählen und verteilt dann die Schokolade,
die er soeben in seinem Schuhkarton gefunden hat, an alle Anwesenden.

Nachtrag:
Von Aleksander erfuhren wir kurz nach unsere Ankunft in Deutschland, dass Sylwia der Einladung der Verteilpartner gefolgt war und am Donnerstag einen Abendgottesdienst besucht hatte. Wir sind nun gespannt, was sie dort erlebt hat und erleben wird.
Des Weiteren hatte Patryk die Schuhe erhalten, die wir Andrzej Zieliński nach dem Besuch der Familie noch übergeben hatten. Der Junge freute sich ungemein – nun hatte er warme Schuhe, mit denen er nun zur Schule gehen kann. Wir sind froh und dankbar, dass wir mit den Schuhkartons, den Geschenken und den Gesprächen das Leben dieser Familie vielleicht ein klein wenig verbessern konnten.

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