Montag, 12. Januar 2015

"... immer bin ich da"

Wir  fahren zu einer kleinen Kirche in Ognanowa, Bulgarien. Als Mitarbeiter von Geschenke der Hoffnung haben wir im Dezember 2014 das Privileg dort bei einer Schuhkartonverteilung dabei sein zu dürfen. Ein matschiger Weg führt zu einer kleinen Kirche in einer Roma-Siedlung. Windschiefe und revierungsbedürftige Häuser säumen unseren Weg, überall liegt Müll auf dem Boden. Kahle Bäume und das diesige Wetter lassen die Gegend noch trister erscheinen.

Die Kirche ist ein weißes Gebäude mit grünen Schimmelflecken an der Decke; billige Weihnachtsgirlanden hängen an den Wänden, Kunstblumen stehen in Blumentöpfen auf der Bühne. Auf der Bühne steht ein altes E-Piano.  Immer mehr Menschen strömen in das kleine Gebäude. In den ersten Reihen sitzen Kinder auf einfachen Metallstühlen. Im hinteren Bereich die Mütter. Nachdem wir die ersten Schuhkartons auf der Bühne aufgestapelt haben, wollen wir den leeren Versandkarton heraustragen, aber sofort greifen die Frauen danach und beginnen mit der Pappe des Versandkartons und einigen Holzscheiten den Ofen, der in der Mitte des Raumes steht, anzuheizen. Nach kurzer Zeit durchzieht der typische Geruch von verbranntem Papier und Holz den Raum.

Tobias, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising für Geschenke der Hoffnung, schlägt vor, dass wir ein paar Lieder zusammen singen. Die meisten Kinder sind aus Roma-Familien und verstehen kaum Bulgarisch. Trotzdem kriegen wir es hin, irgendwie „Jingle Bells“ zu singen. Die Mütter auf Bulgarisch und wir auf Englisch, während uns der Pastor auf dem Klavier begleitet und dabei mit seiner tiefen Bassstimme dazu singt.


Ein kleines Mädchen wird von Joro, dem Pastor, der die Verteilung durchführt, auf die Bühne geholt und fängt an zu singen. Zu unserer Überraschung ertönt plötzlich mit leiser und brüchiger Stimme das deutsche Sankt-Martinslied „Laterne, Laterne“ in dieser kleinen bulgarischen Kirche. Ein unglaubliches Gefühl von Verbundenheit überrollt uns. Wie sich später herausstellt, hat die Familie einige Zeit in Deutschland gelebt.


Angespornt von unserer Begeisterung stimmt das Mädchen noch ein weiteres Lied an. Und dann ertönt die bekannte Daniel-Kallauch-Liedzeile „Immer und überall“ in einer fast stillen Kirche. Danach stockt sie – wie der Text weitergeht, hat sie vergessen. Ohne zu Zögern springt Tobias auf die Bühne. Er kennt das Lied in- und auswendig
– hat er doch selber als kleiner Junge dieses Lied mit dem bekannten Liedermacher eingesungen. Gemeinsam singen sie nun: „… immer bin ich da!“ 

Dann begann Joro die Kinder zu fragen, ob sie wissen, warum wir hier sind. „Wegen der Geschenke“, rief ein kleiner Junge und alle lachen. Als er dann fragte, was wir feiern, antwortete ein Mädchen auf Deutsch: „Jesus ist geboren“. Joro fragte weiter: „Wo ist Jesus geboren?“ Mit einer Selbstverständlichkeit antworteten die Kinder „Im Krankenhaus“. Kurz danach klären uns die Kinder auf, dass nicht nur Kühe, Pferde und Schweine bei der Geburt Jesu dabei waren, sondern nach ihrer Vorstellung auch Giraffen. Als Maja, die Übersetzerin, fragt „Wer ist Jesus?“, ertönt die tiefe Stimme des Pastors: „Gott“, bevor irgendein Kind antworten kann.


Dann endlich dürfen die Kinder ihre Geschenke auspacken. Es ist ein Gewusel und Lachen, ein Durcheinanderschreien und Entdecken, sich gegenseitig seine Schätze zeigen und miteinander freuen. Besonders die Mütter, die immer noch im Hintergrund sitzen, können gar nicht die Augen von ihren Kindern nehmen – für sie sind diese Geschenke, die ihren Kindern ein Strahlen auf das Gesicht zaubern, ein unverhoffter Segen. 


Ein deutsches Kinderlied in dieser bulgarischen Roma-Kirche ein unglaublicher Moment.
Dieser kleine Junge wartet aufgeregt mit seiner Schwester auf die Verteilung der Schuhkartons.
Dieses kleine Mädchen ist genauso gespannt auf ihren Schuhkarton wie ihre Mutter.
Ein großes Geschenk für ein kleines Mädchen.
Er wünscht sich unbedingt ein Auto mal sehen, was drinnen ist.
Erst kriegen alle einen Schuhkarton, bevor sie ihn alle auf einmal aufmachen dürfen.
Die Roma-Siedlung, in der die Kirche ein kleiner Lichtblick ist.

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