Freitag, 5. Dezember 2014

"... weil ich weiß, dass die Päckchen ankommen."

Die letzten Tage
Als ich Frau Matthießen per Telefon erreiche, wartet sie gerade auf den Anruf der Spedition. Die Küche ihres Nachbars ist vollgestellt mit fertiggepackten Versandkartons, welche die Spedition in eines der rund 15 Zentrallager transportieren wird. Der Nachbar ist derzeit nicht da, so dass sich das Lübecker Ehepaar dort so richtig ausbreiten konnte. „Das ist natürlich abgesprochen“, beruhigt mich Frau Matthießen. Platz hätte man auch im Schuppen, aber so ist es doch netter.


Obwohl Frau Matthießen sehr eingespannt ist, nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch über ihre ehrenamtliche Arbeit bei „Weihnachten im Schuhkarton“. Es war wieder eine erfolgreiche, schöne und aufregende  Saison, und doch sind beide froh, wenn es geschafft ist. Nach der Abholung der Versandkartons muss das Geld noch gezählt und die Überweisungen getätigt werden und dann, „dann sind wir durch“. Ulrike Matthießen ist darüber dankbar. 


Von einer kurzer Begegnung berichtet sie mir: Im Schlafzimmerfenster hatte das Ehepaar während der letzten Wochen ein Aktionsplakat hängen. Gerade, als Ulrike Matthießen am Montag das Plakat abnehmen wollte, hielt ein Auto vor dem Haus. Der Fahrer wollte noch schnell sein Päckchen abgeben. Den fragenden Blick des Autofahrers beantwortete sie mit einer einladenden Handbewegung – natürlich konnte er noch sein Päckchen abgeben. Nach einem kurzen Gespräch bot der Päckchenpacker ohne Umschweife seine Hilfe für das kommende Jahr an. Nun hat das Ehepaar noch einen Helfer mehr – das beruhigt.




Von der Untersammelstelle zur Sammelstelle
Die Matthießens sind seit dieser Saison nicht mehr Untersammelstelle, sondern nun Sammelstelle und haben dadurch einen größeren Verantwortungsbereich in ihrer ehrenamtlichen Arbeit für "Weihnachten im Schuhkarton". Auf meine Frage, ob es mehr Arbeit zu bewältigen gegeben hat, überlegt Frau Matthießen kurz und sagt dann: „Nein, eigentlich nicht.“ Der Schritt von der Untersammelstelle zur Sammelstelle war nicht schwer – „Wenn ich das schon mache, dann auch richtig“, ist ihre Einstellung. Man kann nun eigene Entscheidungen treffen, Werbung schalten, man hat mehr Freiheiten. Und man muss nicht mehr so weit bis zur nächsten Sammelstelle fahren – ein weiterer Vorteil.

Ein großes Geschenk war die „Box to go“, die ihnen eine Menge Arbeit abgenommen hat. Rund 60 dieser vorgefertigten Schuhkartons hatten sie sich beim CONNECT-Treffen, dem jährlich stattfindenden Mitarbeitertreffen für alle Ehrenamtlichen und Interessierten von "Weihnachten im Schuhkarton, mitgenommen; 50 haben sie verbraucht. „Es ist eine gute Idee gewesen“ – gerade wenn Schuhkartons umgepackt werden müssen. „Die ‚Box to go‘ hat uns viel Arbeit abgenommen.“

€ents4Children
„Sektgläser?“, frage ich ungläubig zurück. „Nein“, Frau Matthießen lacht „WECKgläser!“ Endlich verstehe ich. Es geht um die Spendenaktion „€ents4Children“ des Ehepaars. Dabei werden das ganze Jahr über Cent-Stücke in Weckgläsern gesammelt. Rund 80 Leute, in erster Linie Freunde und Gemeindemitglieder, beteiligen sich schon daran. Zwei Mal im Jahr wird „geerntet“, wie sie es ausdrücken – zu Ostern und zum Erntedankfest. "Das Geld wird für soziale Zwecke, dabei speziell für Kinder, verwendet. Damit soll Kindern eine bessere Zukunft beispielsweise über Schul- bzw. Ausbildung, Nahrung, Kleidung ermöglicht werden. Der christliche Gedanke spielt dabei eine große Rolle", sagt Klaus Matthießen dazu.


Im letzten Jahr allein konnten sie von den Spenden 60 Schuhkartons packen sowie die Transport- und Verwaltungskosten bezahlen. André Vasko, einen Verteilpartner von „Weihnachten im Schuhkarton“, unterstützen sie dabei ganz gezielt. Beim CONNECT-Treffen in Hannover hatten sie den Pastor aus der Slowakei kennengelernt. Begeistert von seiner Arbeit, entstand eine wertvolle Zusammenarbeit, bei der das deutsche Ehepaar den slowakischen Pastor durch Geldspenden für seine Arbeit mit Roma-Kindern unterstützt. Das ist auch der Grund, warum die Matthießens seit vielen Jahren voller Leidenschaft dabei sind – weil die Hilfe wirklich bei Kindern ankommt. Weil Freude ankommt. Weil Liebe ankommt.



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