Dienstag, 21. Oktober 2014

"Ich weiß wie es ist, nichts zu besitzen ..."



Wenn Hermine B. mit ihrem Mann durch die Stadt schlendert, kann es vorkommen, dass er vor einem Geschäft stehen bleibt und sagt: “Hermi, wäre das nicht was für einen Schuhkarton?“ Hermine und ihr Mann sind ein eingespieltes Team, was das Packen von Schuhkartons angeht. Seit 18 Jahren packt die 75-Jährige voller Liebe Schuhkarton um Schuhkarton und denkt, trotz Krankheit,  noch lange nicht ans Aufhören. „Für mich ist das die schönste Aktion,“ sagt sie und ihre grau-blauen Augen glänzen dabei.

Auf die Frage, warum sie mit solcher Hingabe bei dieser Aktion dabei ist, sagt sie schlicht: „Ich weiß wie es ist, nichts zu besitzen.“ Die lebensfrohe Hermine hat in ihrem Leben schon viele Entbehrungen hinnehmen müssen. Als sie 5 Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und so kommen sie und ihre fünf Geschwister ins Heim. Der Vater ist im Lazarett und nicht in der Lage sich um seine Kinder zu kümmern. Die folgenden Jahre, die sie und ihre Geschwister im Waisenhaus verbringen, beschreibt sie, trotz des Verlustes, als die „schönste Zeit ihres Lebens“. Im Waisenhaus kümmern sich Nonnen liebevoll um die Erziehung der Kinder; Kleidung erhalten sie von der Katholischen Kirche. An Geschenke ist in dieser Zeit nicht zu denken. Aber dann erreichen CARE-Pakete das Waisenhaus; vollgepackt mit Mehl, Zucker, Milchpulver, Margarine, und, woran sie sich besonders erinnern kann, Bonbons, Lutschern und Schokolade. Und weil sie weiß, welche Freude es ist, in einer Zeit solche Päckchen zu erhalten, in der man nichts hat, packt sie Schuhkartons. „Wenn ich ein Päckchen packe, dann denke ich an die Freude, die die Kinder erleben, wenn sie ihre Päckchen öffnen.“ 

Hermine (re.) mit ihrer Nachbarin (li.) - Die beiden Damen nähen, stricken und häkeln das ganze Jahr über voller Hingabe und Freude für die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton"

Zusammen mit ihrer 86-jährigen Nachbarin ist sind schon lange für "Weihnachten im Schuhkarton" aktiv. Das ganze Jahr über sind die Damen damit beschäftigt zu nähen, stricken und zu häkeln. Und das mit einer Hingabe und Freude für Kinder in Not, dass es einem geradezu „die Sprache verschlägt“, wie Brigitte Güth ihre Eindrücke weitergibt. Die Regionalleiterin war auf Wunsch der Sammelstellenleiterin Frau König nach Wolfsburg zu Hermine gefahren und hatte ihr den Blumenstrauß überreicht, der eigentlich für die Sammelstellenleiterin vorgesehen war. Doch diese bat darum, den Blumenstrauß an Hermine weiterzugeben, um die langjährige und bemerkenswerte Arbeit zu würdigen.
 
Obwohl die „Weihnachten im Schuhkarton“-Saison noch ein paar Wochen läuft, denkt Hermine schon wieder an das nächste Jahr und was sie Gutes tun kann. „Ich bin reich, verglichen mit der Zeit, in der ich nichts hatte. Ich bin zufrieden mit dem was ich habe. Und deswegen kann ich auch abgeben.“ Und so gibt sie: Jedes Jahr aufs Neue. Und so packt sie: Jedes Päckchen voller Liebe. Und so weiß sie: Jedes Päckchen steht für ein Kind.  






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