Donnerstag, 19. Dezember 2013

Ein unvergessliches Geschenk


Diesen Tag werden die siebenjährige Silvia und ihr zehnjähriger Bruder Maron wohl nie vergessen: In ihrer Schule in dem Dorf Chminianske Jakubovany (Ostslowakei) gab es heute (16. Dezember) eine Weihnachtsfeier. Die Lehrer haben zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde ein buntes Programm für die Schüler vorbereitet: Es wird gebastelt, gesungen und ein Sketsch vorgeführt. Die Jungen und Mädchen, die eine spezielle Schule für schwer erziehbare Kinder besuchen, haben viel Spaß. Es gibt die typische slowakische Weihnachtssuppe mit Sauerkraut, Würstchen und Pilzen. Und schließlich kommt der Höhepunkt: Die Kinder erhalten Geschenke von „Weihnachten im Schuhkarton“. Für Silvia und Maron und wohl auch viele andere ist das ein historischer Augenblick – denn nie zuvor haben sie in ihrem Leben Geschenke bekommen.  Weder zum Geburtstag noch zu Weihnachten – mitunter wissen die Kinder gar nicht genau, wann sie überhaupt geboren sind. Sie alle leben in einer Roma-Siedlung, etwa zwei Kilometer von der Schule entfernt. Rund 2.000 Personen leben hier unter menschenunwürdigen Umständen. Nicht einmal jeder zweite hat Arbeit – und selbst wenn, reicht das Geld kaum.
Ein Zimmer für über zehn Leute


Das erste Weihnachtsgeschenk für Silvia
(Foto: David Vogt)


 Valentina, die Mutter der  beiden Geschwister, ist auch bei der Verteilung. Sie hat noch elf weitere Kinder. Mit ihrer Erlaubnis fährt unser Team - bestehend aus Mitarbeitern von Geschenke der Hoffnung, Kameramann, Fotograf und einem Journalisten - in die Roma-Siedlung, um uns das Haus anzuschauen, das sie und ihr Mann gebaut haben. Als wir hinkommen, sind wir geschockt. Das „eigene Reich“ besteht aus einem nicht einmal 20 Quadratmeter großen Raum. Es ist stickig – schließlich hausen hier mehr als ein Dutzend Leute. In einer Ecke köchelt das Essen auf einem Holzofen. Die älteste Tochter hält ihr fünf Wochen altes Kind auf dem Arm. Draußen treffen wir viele Kinder an, die mit einem Eimer zur zentralen Wasserstelle der Siedlung gehen. Es sind erbärmliche Zustände. Die Schuhkartons bringen etwas Licht in diese traurige Welt. Sie geben Hoffnung, weil sie dieser ausgestoßenen Bevölkerungsgruppe zeigen, dass sie wertvoll sind. Noch wichtiger ist es jedoch, dass durch die Schuhkartonverteilungen neue Beziehungen zur örtlichen Kirchengemeinde entstehen. Sie kann die Familien ganz praktisch unterstützen und die Kinder dauerhaft begleiten, ihnen Mut geben. Trotz der ärmlichen Zustände – dank der Schulbildung haben die Kinder in ihrem späteren Leben vielleicht mehr Chancen, als ihre Eltern hatten. Sie können einen Beruf erlernen, wenn sie sich dafür entscheiden, ihr eigenes Umfeld zu verlassen und neue Wege einzuschlagen – so wie es Mirela tat, die uns bei der Verteilung begleitet und einmal selbst einen Schuhkarton erhielt. Mehr zur Mirela findet ihr hier und in unserem nächsten Aktionsbericht, den ihr euch per E-Mail vorbestellen könnt (erscheint im Frühjahr). Weitere Fotos von unseren Verteilungen sind auf unserer Website zu finden.

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