Donnerstag, 19. Dezember 2013

Das erste Weihnachtsgeschenk ihres Lebens


Samuel freut sich riesig über seinen Schuhkarton (Foto: David Vogt)




Manchmal täuscht der äußere Eindruck. So war es auch bei der vorletzten Station unserer Slowakei-Reise. Wir sind im Kulturzentrum in Remeniny, einem kleinen Ort mit rund 300 Einwohnern. Jeder fünfte ist hier arbeitslos. Doch die Schulkinder, die wir treffen, sehen weder besonders arm, noch besonders reich aus - ganz normal eben. 
Der Leiter der örtlichen Grundschule hat mit Mitgliedern einer Romagemeinde ein Theaterstück vorbereitet. Ein Schaf und ein Kamel unterhalten sich über ihre Wahrnehmung der Weihnachtsgeschichte. Bei der Verteilung dabei sind auch ein katholischer Priester und ein pensionierter pfingstkirchlicher Pastor, Pawel Chalcak. Er ist extra aus der 50 Kilometer entfernten Stadt Humene gekommen. Chalcak erklärt den Kindern und ihren anwesenden Eltern das Anliegen von „Weihnachten im Schuhkarton“: „Uns sind Kinder wichtig und wir wollen mit diesen Geschenken euch die Liebe Gottes greifbar machen.“  Schließlich kommen die Schuhkartons – sie haben aus Rottweil und Achern den Weg hierher gefunden. Jedes Kind wird einzeln nach vorne gerufen und erhält sein Päckchen. Die Lehrer helfen beim Aufmachen. Was sich in den folgenden Momenten abspielt ist unbeschreiblich und treibt einem die Tränen in die Augen:  Die Päckchen sind so toll gefüllt, dass viele Kinder ihr Glück nicht fassen können. Viele stecken die Köpfe zusammen und begutachten gemeinsam den Schuhkartoninhalt. Besonders hat es mir die Dreiergruppe Frantisek (10 Jahre), Jakub (13) und Emil (11) angetan. Ich frage Jakub, was er denn sonst zu Weihnachten bekomme. Er antwortet: „Nichts!“. Ich kann es kaum fassen und frage nochmal nach: „Du hast noch nie ein Weihnachtsgeschenk bekommen? Das ist dein erstes Geschenk?“ Er bejaht. Für ihn muss das wohl ein unglaublicher Moment sein. Ähnlich ergeht es auch dem siebenjährigen Samuel. Auch er ist ganz begeistert über diesen historischen Augenblick. Nach all dem Geschenketrubel folgen noch einige Darbietungen der Kinder – u. a. das Märchen von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ auf slowakisch.
Hartes Schicksal: Selbstmord der Mutter
Ein Funke Hoffnung nach dem Selbstmord der Mutter (Foto: David Vogt)

Nach dieser beeindruckenden Verteilung machen wir uns auf in einen anderen Ort. Wir werden die elfjährige Alzbeta Recova besuchen, die ein besonderes Schicksal hat: Ihre Mutter hat sich vor etwa einem halben Jahr umgebracht. Ihr Ehemann hatte sie brutal misshandelt, kam daraufhin ins Gefängnis. Dann ließ sie sich mit dem Bruder ihres Mannes ein. Es wurde kaum besser. Hinzu kamen hohe Schulden, die ihr Mann durch Trinken und Spielen angehäuft hatte. Voller Verzweiflung machte die Mutter ihrem Leben ein Ende - sie trank die Kühlflüssigkeit eines Autos.
Alzbeta lebt nun bei ihrer Oma. Bei den Vorbereitungen für die diesjährigen Verteilungen von „Weihnachten im Schuhkarton“ wurden Christen vor Ort auf das Schicksal dieses Mädchens aufmerksam. Neben dem Schuhkarton bringt unser Reiseleiter auch einen großen Karton voller Lebensmittel zu der Familie. Alzbeta versucht ihre Gefühle im Griff zu behalten. Der Schuhkarton ist für sie eine besondere Freude, auch wenn er ihr Leid nicht lindern kann. Doch wieder einmal zeigt sich: Durch „Weihnachten im Schuhkarton“ entstehen vor Ort neue Beziehungen. Uns in Deutschland bleibt nichts anderes als zu beten und zu hoffen, dass dieses Kind durch die Begegnung mit Christen erfährt, dass Gott sie liebt und mit ihrem Leben trotz allem noch Großes vorhat.

Ein unvergessliches Geschenk


Diesen Tag werden die siebenjährige Silvia und ihr zehnjähriger Bruder Maron wohl nie vergessen: In ihrer Schule in dem Dorf Chminianske Jakubovany (Ostslowakei) gab es heute (16. Dezember) eine Weihnachtsfeier. Die Lehrer haben zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde ein buntes Programm für die Schüler vorbereitet: Es wird gebastelt, gesungen und ein Sketsch vorgeführt. Die Jungen und Mädchen, die eine spezielle Schule für schwer erziehbare Kinder besuchen, haben viel Spaß. Es gibt die typische slowakische Weihnachtssuppe mit Sauerkraut, Würstchen und Pilzen. Und schließlich kommt der Höhepunkt: Die Kinder erhalten Geschenke von „Weihnachten im Schuhkarton“. Für Silvia und Maron und wohl auch viele andere ist das ein historischer Augenblick – denn nie zuvor haben sie in ihrem Leben Geschenke bekommen.  Weder zum Geburtstag noch zu Weihnachten – mitunter wissen die Kinder gar nicht genau, wann sie überhaupt geboren sind. Sie alle leben in einer Roma-Siedlung, etwa zwei Kilometer von der Schule entfernt. Rund 2.000 Personen leben hier unter menschenunwürdigen Umständen. Nicht einmal jeder zweite hat Arbeit – und selbst wenn, reicht das Geld kaum.
Ein Zimmer für über zehn Leute


Das erste Weihnachtsgeschenk für Silvia
(Foto: David Vogt)


 Valentina, die Mutter der  beiden Geschwister, ist auch bei der Verteilung. Sie hat noch elf weitere Kinder. Mit ihrer Erlaubnis fährt unser Team - bestehend aus Mitarbeitern von Geschenke der Hoffnung, Kameramann, Fotograf und einem Journalisten - in die Roma-Siedlung, um uns das Haus anzuschauen, das sie und ihr Mann gebaut haben. Als wir hinkommen, sind wir geschockt. Das „eigene Reich“ besteht aus einem nicht einmal 20 Quadratmeter großen Raum. Es ist stickig – schließlich hausen hier mehr als ein Dutzend Leute. In einer Ecke köchelt das Essen auf einem Holzofen. Die älteste Tochter hält ihr fünf Wochen altes Kind auf dem Arm. Draußen treffen wir viele Kinder an, die mit einem Eimer zur zentralen Wasserstelle der Siedlung gehen. Es sind erbärmliche Zustände. Die Schuhkartons bringen etwas Licht in diese traurige Welt. Sie geben Hoffnung, weil sie dieser ausgestoßenen Bevölkerungsgruppe zeigen, dass sie wertvoll sind. Noch wichtiger ist es jedoch, dass durch die Schuhkartonverteilungen neue Beziehungen zur örtlichen Kirchengemeinde entstehen. Sie kann die Familien ganz praktisch unterstützen und die Kinder dauerhaft begleiten, ihnen Mut geben. Trotz der ärmlichen Zustände – dank der Schulbildung haben die Kinder in ihrem späteren Leben vielleicht mehr Chancen, als ihre Eltern hatten. Sie können einen Beruf erlernen, wenn sie sich dafür entscheiden, ihr eigenes Umfeld zu verlassen und neue Wege einzuschlagen – so wie es Mirela tat, die uns bei der Verteilung begleitet und einmal selbst einen Schuhkarton erhielt. Mehr zur Mirela findet ihr hier und in unserem nächsten Aktionsbericht, den ihr euch per E-Mail vorbestellen könnt (erscheint im Frühjahr). Weitere Fotos von unseren Verteilungen sind auf unserer Website zu finden.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

6.000.000 Schuhkarton: Wenn ein Wunsch unerfüllt bleibt


Mirela Enea mit dem 6.000.000 Schuhkarton
Mirela Enea mit ihrem Schuhkartongeschenk
(Foto: David Vogt)







Auch am dritten Tag unserer Verteilungen erlebten wir bewegende Szenen und hörten eindrückliche Geschichten. Höhepunkt war die symbolische Übergabe des sechsmillionsten Schuhkartons durch den Pastor einer Romagemeinde in Sabinov (Ostslowakei), Marian Kaleja. Die zwölfjährige Nela Kalejova und ihre vier Geschwister leben samt Großeltern und Nachbarn – insgesamt elf Leute - in einer kleinen Zweizimmerwohnung. Nelas größter Wunsch ist es, dass ihre Mutter wieder zurückkommt. Vor vier Jahren verließ diese ihre Familie – der Alkohol machte sie krank. Heute lebt Nelas Mutter auf der Straße und hat wechselnde Beziehungen zu anderen Männern. Ihr Noch-Ehemann kümmert sich nun allein um seine Kinder. Pro Monat hat die Großfamilie zwischen 50 und 100 Euro zum Leben – doch das Geld bekommen sie nicht vom Staat, sondern von der Gemeinde, die die Päckchen verteilt. Nach der Rückkehr von einem Arbeitsaufenthalt in England bekam Vater Robert Probleme mit den Behörden – der Antrag auf Sozialhilfe wurde aufgrund von Formfehlern bislang nicht bearbeitet. Seit über drei Jahren wartet er vergeblich auf Unterstützung vom Staat. 
Nela (12) mit ihrem Geschenk von "Weihnachten im Schuhkarton"
Nela (12) bekommt ihr Weihnachtsgeschenk
(Foto: David Vogt) 
Tränen fließen
Als wir zu der Familie kommen, fließen die ersten Tränen bei Nela. Im Beisein von Mirela Enea – die selbst vor 15 Jahren ein Päckchen von „Weihnachten im Schuhkarton“ in Rumänien erhielt – bekommt das Mädchen symbolisch das „Jubiläumsgeschenk“ überreicht. Mirela hat den Karton extra für die Zwölfjährige gepackt. Darin befinden sich u. a. ein Schal, eine Mütze, ein schönes Kuscheltier, Schulutensilien und Süßigkeiten. Es ist das einzige Weihnachtsgeschenk für Nela. Sie ist sehr dankbar über die Geschenke und die Anteilnahme an ihrer Situation. Gerührt darüber umarmt das kleine Mädchen die 25-Jähriger. Doch man merkt gleichzeitig, wie sehr sie das Fehlen der eigenen Mutter bedrückt. Ihre jüngeren Geschwister, die ebenfalls Schuhkartongeschenke erhalten, sind fröhlicher. Wahrscheinlich ist für sie das Ausmaß der Tragödie noch nicht recht zu begreifen. Ganz konzentriert packen sie ihre Päckchen aus und bewundern den Inhalt. 
"Du bist etwas ganz Besonderes"
Mirela und Nela im Gespräch
(Foto: David Vogt) 
Täglich betet Nela dafür, dass ihre Mutter doch wieder zurückkommen möge. Der Glaube an Gott gibt ihr die nötige Hoffnung, um in dieser schweren Situation nicht völlig zu verzweifeln. Pastor Kaleja bewundert die Familie für ihre Standhaftigkeit im Glauben: „Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen würde.“ Auch wenn wir Nelas größten Wunsch nicht erfüllen können, so hat doch „Weihnachten im Schuhkarton“ etwas Licht in diese Dunkelheit gebracht. Nela und Mirela tauschen am Ende ihre Adressen aus – vielleicht entsteht ja eine Brieffreundschaft zwischen den beiden Päckchen-Empfängern. „Du bist etwas ganz besonderes und ich bete für dich“, spricht die 25-Jährige dem Kind zu. Alle sind sehr dankbar über unseren Besuch. Zum Abschluss erbittet Großvater Dionis Gottes Segen für uns. In dem Wissen, dass Christen vor Ort sich weiterhin um Nela und ihre Angehörigen kümmern werden, treten wir den Weg zu unserer Unterkunft an. Den heutigen Tag wird sicher jeder der Beteiligten für immer in Erinnerung behalten.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Verteilungen in Polen

Kurzer Bericht von Alicja, die momentan die Schuhkarton-Verteilungen in Polen begleitet:
„Am Samstag haben wir eine Familie besucht, um den Kindern Schuhkartons zu übergeben. Das Haus der Familie war in einem furchtbaren Zustand: Es gab kein Badezimmer und die Küche war total zerstört. Die Betten der Kinder waren dreckig und kaputt. Die Mutter muss arbeiten gehen und sich auch um die Kinder kümmern, weil der Vater seit einem Schlaganfall stark eingeschränkt ist. Als wir für den Vater der Kinder gebetet haben, haben er und seine Frau angefangen zu weinen. Sie haben ihr Herz für Gottes Liebe geöffnet. Die Eltern, aber auch die Kinder waren so glücklich als wir da waren – was für eine ergreifende Verteilung!
Ein Junge, Lukaz, ein Sozialarbeiter hat uns bei den Schuhkarton-Verteilungen begleitet. Als er unserer Arbeit eine Weile zugesehen hatte, hat auch er hat sein Herz für Jesus geöffnet – wir und er waren sehr glücklich!
Insgesamt war es ein sehr berührender Tag.  Die Familie, die wir besucht haben und Lukaz haben mir gezeigt, was die Schuhkarton-Verteilungen Beeindruckendes bewirken können. Ich bin so froh, dass ich diese Erfahrungen machen konnte und, dass ich Teil von der tollen Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ sein darf!“

Fotos folgen...

Montag, 16. Dezember 2013

Geschenke für bedürftige Kinder

Regina (5) mit ihrem Schuhkarton (Foto: David Vogt)
Es ist schon dunkel, als wir am 15. Dezember in der slowakischen Stadt Medzev ankommen. Rund 40 Kinder warten im hiesigen Kulturzentrum auf uns. Die Jungen und Mädchen im Alter zwischen zwei und 14 Jahren kommen aus einem Kinderheim im benachbarten Ort Stos. Für sie ist heute ein ganz besonderer Tag, denn sie bekommen Geschenke von „Weihnachten im Schuhkarton“. Die Gemeinde unseres Reiseleiters Andrej Vasko hat ein ansprechendes Programm vorbereitet: Ein Clown weint, weil er seine rote Nase verloren hat. Seine Clownfreundin hilft ihn beim Suchen und findet sie schließlich. Nun ist der Clown wieder fröhlich. Die beiden lustigen Gesellen singen mit den Kindern ein Lied, es folgen ein paar kindgerechte Ausführungen zum Hintergrund von Weihnachten: der Geburt von Jesus Christus, der gekommen ist um alle „offenen Rechnungen“ zu bezahlen.
Die Kinder aus dem Kinderheim hören aufmerksam zu, besonders als es um das Thema Liebe geht. Weil Menschen aus Deutschland ein Herz für diese Kinder haben, bekommen sie heute Geschenke, wird ihnen erklärt. Viele der Jungen und Mädchen haben in ihren Familien wenig Liebe erlebt. Oft sitzen die Eltern im Gefängnis, weil sie aufgrund der Armut zu Dieben wurden. In anderen Fällen schritten die Behörden ein, weil die Lebensbedingungen der Kinder katastrophal waren. Neben den Schuhkartons, die übrigens aus Konstanz, Villingen-Schweningen, Bräunlingen und Heubach kommen, hat die Kirchengemeinde noch eine andere Überraschung vorbereitet: Jeder Jugendliche hat einem Kind einen persönlichen Brief geschrieben. Die Kinder können antworten – wenn sie wollen. So können neue Freundschaften entstehen. „Denn viele dieser Kinder haben keine Freunde“, so erzählt uns Andrej Vasko. Die Schuhkartons haben ihnen auf ganz besondere Weise gezeigt: Du bist nicht vergessen. Du bist wertgeschätzt und geliebt. Von anderen Menschen und von Gott.